Lions für WaSH in Indien

Wasser ist Leben

Mit WaSH-Projekten verfolgen Lions einen umfassenden Ansatz zur Lösung eines der größten Probleme des 21. Jahrhunderts, denn nur die Kombination von Wasser - Sanitär - Hygiene hilft umfassend. Mit unserem aktuellen WaSH-Projekt im Norden Indiens verbessern wir nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ mit umfassenden kapazitätsfördernden Maßnahmen die Lebenssituation von rund 300.000 Menschen Unsere Lions-WaSH-Projekte werden in der Planung an die individuellen Gegebenheiten in den jeweiligen Projektregionen angepasst. Die Projekte sind modular aufgebaut. Je nach Ausgangssituation kann ein Projekt unterschiedliche Schwerpunkte setzen oder einzelne Komponenten können von verschiedenen Akteuren – nichtstaatlichen oder staatlichen – übernommen werden. Idealerweise greifen die Maßnahmen ineinander und sichern so von Beginn an die eigenverantwortliche Fortführung der Maßnahmen durch die Zielgruppe nach Projektabschluss und damit die Nachhaltigkeit.

Hier helfen wir:

Unsere Projektregion befindet sich in der Ganges-Ebene im Süden des Himalajas in den drei dicht besiedelten Bundesstaaten Uttar Pradesh, Bihar und Westbengalen. Dort leben rund 400 Millionen Menschen, das sind rund 33 Prozent der Gesamtbevölkerung Indiens. Die drei Bundesstaaten haben eine Bevölkerungsdichte von durchschnittlich 1.050 Einwohner pro Quadratkilometer (vgl. Deutschland 233 Einwohner pro Quadratkilometer). 80 Prozent der Bevölkerung lebt auf dem Land und hat kaum Zugang zu Bildung und Erwerbstätigkeiten außerhalb der Subsistenz- und Landwirtschaft. Das spiegelt sich auch in der hohen  Analphabeten-Quote von 70 Prozent wieder.

Armut als Ursache und Folge von schweren Erkrankungen

Je nach Region haben lediglich 14 bis zu max. 50 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen. Das hat ein hohes Vorkommen an durch kontaminiertes Wasser und mangelnde Hygiene verursachte Krankheiten, sogenannten „Water borne diseases“ zur Folge. Dazu zählen in der Region schwere Erkrankungen, die in der westlichen Welt kaum noch eine Rolle spielen oder sogar völlig unbekannt sind. Verbreitet sind hier die "vernachlässigten Tropenkrankheiten" (NTDs=Neglected Tropical Diseases, siehe "Begriffserklärungen") wie Lepra, Lymphatische Filariose (Elephantiasis) oder Trachom (Flussblindheit). Unzureichende Hygiene, zu späte Diagnose und Behandlung führen bei diesen Erkrankungen nicht selten zu lebenslangen Behinderungen, die gleichermaßen Ursache wie Folge von Armut sind.

Gesundheit durch Aufklärung

Unser Projekt vermittelt Wissen und befähigt die Gemeinden damit, WaSH-Infrastruktur von der Regierung einzufordern oder bestenfalls selbst zu schaffen und sie langfristig zu erhalten. Zusätzlich verbessern die Maßnahmen die Lebenssituation der von NTDs betroffenen Menschen durch Stärkung der Gesundheitsdienste und Aufklärung der Bevölkerung.

Das wollen wir erreichen – Ziele in Zahlen:

  • 100.000 Menschen werden direkt durch eine Verbesserung der WaSH-Situation in ihren Gemeinden erreicht und weitere 200.000 Personen profitieren indirekt durch zielgerichtete Aufklärung über Krankheiten und Behinderungen sowie einem verbesserten Bewusstsein zu Hygiene und Gesundheit.
  • 10.000 von Lepra betroffene (neue und alte Fälle) und 12.600 von Lymphatischer Filariose betroffene Personen erhalten Behandlung und profitieren von einem verbesserten Krankheitsmanagement.
  • 6.300 Menschen mit Lymphatischer Filariose oder Lepra erhalten Zugang zu augenmedizinischen Dienstleistungen, inkl. Kataraktoperationen.
  • Mehr als 500 Interessenvertreter = Entscheidungsträger, Vertreter von Bürgerinitiativen, Lehrer, Gesundheitspersonal - auf Bezirks- und Distriktebene sensibilisiert.

Unsere Projektbausteine:

Sensibilisierung der Bevölkerung

Um den Zusammenhang zwischen Hygiene und Gesundheit nachhaltig zu vermitteln ist die Sensibilisierung der Bevölkerung wichtigster Projektbaustein. Nur dann sehen die Menschen Anlass, vorhandene oder neu geschaffene WaSH-Angebote anzunehmen und ihr eigenes Verhalten zu ändern. Hierzu werden in den Projektregionen 100 Dorfsensibilisierungstreffen mit geeigneten Materialien zu hygienischem Verhalten und dem Zusammenhang mit Krankheiten abgehalten. Aufklärung über die Krankheitsbilder und ihre Ursachen vermindern die Stigmatisierung von Menschen mit Lepra oder Lymphatischer Filariose. Aufgrund der hohen Analphabeten-Quote, muss mit verschiedensten Medien gearbeitet werden, wie etwa Flyern, Postern, TV- und Radio-Spots, oder auch Kundgebungen durch Lautsprecher.

Stärkung der WaSH-Anbieter und Gesundheitsdienste

Meistens liegt die WASH-Versorgung in einer Gemeinde in der Verantwortung der lokalen Behörden wie  den dörflichen Selbstverwaltungen. Teilweise gibt es bereits Village Sanitation Comittees (VSC ), die jedoch reaktiviert, ggf. personell verstärkt und für die Bedarfe sensibilisiert werden müssen und durch Schulungen in Sachen Gremienarbeit und WaSH gestärkt werden. Mit der Erarbeitung von Qualitätsrichtlinien, Checklisten und Schulungen sollen sie zukünftig befähigt werden, WaSH-Dienste in guter Qualität zur Verfügung zu stellen und den Zugang aller Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten. Für Mitarbeitende in den Gesundheitsdiensten verbessern Schulungen die Fähigkeiten zur rechtzeitigen Diagnose von Krankheiten und vermitteln Wissen über die richtige Behandlung.

Eigenverantwortung und Handlungsfähigkeit stärken

Um die Gemeinden zu stärken ihre Eigenverantwortung wahrzunehmen, werden sie in sogenannten öffentlichen Beratungen mit jeweils 150 Teilnehmern je Dorf zur Bestandsaufnahme angeleitet. Die Wünsche der Bevölkerung werden aufgenommen und zur anschließenden Ausarbeitung eines Umsetzungsplans ausgewertet. Außerdem erhalten die Gemeinde-Regierungen und Village Sanitation Comittees Informationen und Hilfestellungen zu staatlichen Fördermöglichkeiten und Programmen. In sechs Modelldörfern soll außerdem das „Bhagidari-Modell“ etabliert werden. Im Rahmen dieses Modells werden alle WASH-Dienstleistungen in den Dörfern, d.h. Wassermanagement, Toiletten, Abfallmanagement und die Aufrechterhaltung der sanitären Einrichtungen, unter aktiver Beteiligung der Zielgemeinden verwaltet. Die Idee ist, die Menschen zu motivieren, diese Dienste nicht nur zu nutzen, sondern sie auch zu erhalten. Durch die Mitarbeit von Beginn an, entwickeln die beteiligten Personen ein Besitzgefühl und damit ein persönliches Interesse am Erhalt der geschaffenen Strukturen. Für einige Maßnahmen können staatliche Zuschüsse beantragt werden, oft hat sich auch ein kleines Nutzungsentgelt zur langfristigen Finanzierung bewährt. Das Modell soll Schule machen und später auch in weiteren Dörfern übernommen werden.

Nachhaltiger Ansatz – Hilfe zur Selbsthilfe

Mit diesem Projekt verbessern wir nachhaltig die Lebenssituation von über 300.000 Menschen. Vor allem aber haben Projekte wie dieses einen „Leuchtturm-Charakter“ und regen zur Nachahmung an. Die Weitergabe des vermittelten Wissens kann quasi unbegrenzt fortgesetzt werden und eine Sensibilisierung für die Bedürfnisse aller Mitglieder einer Gemeinde entfaltet meist ganz von selbst eine Strahlwirkung. Im Gegensatz zu diesem Projekt wird die reine Bereitstellung von Infrastruktur seit einigen Jahren nur noch unter bestimmten Voraussetzungen von der staatlichen Entwicklungshilfe gefördert. Unser Projekt folgt dieser Linie, wir legen die Basis für Nachhaltigkeit und die erfolgreiche Fortschreibung aller mit dem Gesamtprojekt verbundenen Arbeiten.

Helfen auch Sie -
Spenden Sie für „Wasser ist Leben“!

Bei geeigneter Planung können wir für unsere WaSH-Projekte hohe Fördersummen vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beantragen. Für dieses WaSH-Projekt in Indien hat das BMZ bereits Ende 2020 eine 75-prozentige Förderung bewilligt. Offizieller Start des Projekts war Mitte November 2020, die Laufzeit beträgt drei Jahre.

„Wasser ist Leben“ ist kein neues Thema für Lions aber eines der ganz großen! Helfen Sie mit, für so viele Menschen wie möglich dieses wichtige Überlebensmittel zu erhalten, zugänglich zu machen und ihnen zu ermöglichen, ein gesundes Leben zu führen.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

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Begriffserklärungen:

WaSH

Wasser=Bereitstellung von Infrastruktur zur Wasserversorgung durch Brunnenbau oder Sammeln von Regenwasser. Bei Erfordernis gehören auch Anlagen zur Aufbereitung kontaminierten Wassers dazu.

Sanitäranlagen=Die Bereitstellung menschenwürdiger Sanitäranlagen, hierzu gehört auch eine umweltgerechte Entsorgung von Fäkalien und Schmutzwasser durch biologischen Abbau, Kläranlagen, Biogasanlagen etc.

Hygiene=Bereitstellung von Hygiene Infrastruktur sowie Bewusstseinsbildung und Vermittlung von Wissen über die Wichtigkeit individueller und gemeinschaftlicher Hygiene im Zusammenhang mit Krankheiten.

NTD – Neglected Tropical Diseases
Lymphatische Filariose trifft Menschen jedes Alters. Meist wird sie durch Fadenwürmer ausgelöst.

... zu Deutsch: vernachlässigte Tropenkrankheiten sind Krankheiten die gemeinsam haben, dass sie nahezu keine Aufmerksamkeit von der Öffentlichkeit, von der (angewandten) Forschung, von staatlichen Institutionen und (Pharma-)Unternehmen erhalten, weil sie in der reichen Welt keine oder kaum noch eine Rolle spielen.
NTDs treffen vor allem Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Anlagen und medizinischer Versorgung, ohne Gesundheits- und Hygienewissen - kurz: Menschen, die in Armut leben müssen, weshalb die Betroffenen ebenfalls kaum Aufmerksamkeit erhalten
Für die betroffenen Menschen führen die Erkrankungen und die häufig daraus resultierenden Behinderungen zu einem Teufelskreis: Erwerbstätigkeit wird unmöglich, Behandlung und Medikamente sind nicht zugänglich oder zu teuer, die Erkrankten werden ausgegrenzt und stigmatisiert.

Capacity Building

... zielt auf den Aus- und Aufbau von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der lokalen Bevölkerung und gewährleistet eine nachhaltige Entwicklung. Grundlegende Elemente sind:

  • Unterstützung von Prozessen der Teilhabe von Gemeindemitgliedern in gemeinschaftliche Aktionen
  • Kompetenz/Befähigung von zumeist professionellen Akteuren, verschiedene Formen von Selbstorganisation zu unterstützen („Leadership“)
  • Vorhandene Ressourcen in einem Sozialraum nutzbar machen (z. B. Fähigkeiten und Fertigkeiten der Gemeindemitglieder, gut verankerte Organisationen, Zugang zu finanziellen Mitteln)
  • Beziehungsnetzwerke zwischen Organisationen oder Personengruppen fördern (sowohl formell-instrumentell als auch informell und emotional)
  • Aufbau von Gesundheitsförderungsangeboten stärken (einschließlich Überwindung von Zugangsbarrieren, Angebote für schwer erreichbare Zielgruppen)