„Der Wiederaufbau der Schulen ist ein guter Beitrag für den Frieden in Pakistan“

Solveig Koch (links) und ihre Kollegin Gaby Foerster in Pakistan

Im Februar reiste Solveig Koch, Operating Officer und stellvertretende Regionaldirektorin bei unserem Partner Christoffel-Blindenmission (CBM), nach Pakistan. Dort konnte sie sich ein Bild der Lage vor Ort machen und sich über die Fortschritte der Hilfsmaßnahmen informieren. Sie besuchte unseren Kooperationspartner CHEF (Comprehensive Health and Education Forum) und den Distrikt Charsadda, in dem die Lions Fluthilfe leisten. Auch zwei der fünf Schulen, die mit Lions-Hilfe wiederaufgebaut werden, standen auf dem Programm.

Solveig Koch testet die neue Wasserversorgung

Frau Koch, wie ist derzeit die Lage in Pakistan?

Solveig Koch: Wir haben eine günstige Zeit zum Reisen erwischt. Zwar hört man immer wieder von Anschlägen und insgesamt ist die Sicherheitslage angespannt, aber während unserer Reise war es relativ ruhig, so dass wir sogar nach Peschawar fahren konnten, was nicht selbstverständlich ist. Insgesamt gibt es noch einige Zeltlager, viele Pakistaner sind aber inzwischen wieder in ihre Häuser zurückgekehrt.

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Welche persönlichen Eindrücke haben Sie mitgebracht?

Koch: Die Flut hat den Distrikt Charsadda sehr heftig getroffen und viel zerstört. Aber das Wasser ist hier schneller abgelaufen als anderswo, was ein kleines Glück im Unglück war. Die Folgen der verheerenden Flut sind jedoch überall in Pakistan sichtbar. Weiterhin wird dringend Hilfe benötigt. Ebenfalls kann man aber die Fortschritte der bisherigen Hilfe beobachten. Es ist beeindruckend, wie präsent auch die Hilfe von Lions, CHEF und CBM ist. Wenn man durch den Ort Shinkey läuft, fallen die installierten Wasserpumpen und die Häuser, die im Rahmen von Cash for Work wiederaufgebaut worden sind, sofort ins Auge. Die Pakistaner habe ich als weltoffene, humorvolle Menschen kennengelernt.

Wie reagieren die Pakistaner auf die Lions-Hilfe?

Koch: Die Bevölkerung baut mit großem Vertrauen auf die Hilfe und nimmt diese sehr positiv auf. Das war nicht von Anfang an so. Zunächst beäugten die Bewohner der Region CHEF skeptisch. Seit sie aber sehen, wie viel passiert und dass auch längerfristig nachhaltige Maßnahmen umgesetzt werden, haben sie Vertrauen entwickelt und erkennen die Hilfe an. Das Projekt ist sehr arbeitsintensiv und die Mitarbeiter von CHEF bringen großen Einsatz. Positiv ist auch, dass die Bewohner durch das Village Komitee einbezogen sind und mitentscheiden können, wer welche Hilfe bekommt. Dadurch ist eine gerechte Verteilung gewährleistet.

Die wiederaufgebaute Schule in Shinkey

Sie haben auch zwei der Schulen, die mit Lions-Hilfe wiederaufgebaut werden, besucht. Was können Sie von dort berichten?

Koch: Wir besuchten die Schulen an einem Feiertag, also gab es an diesem Tag keinen normalen Schulunterricht. Trotzdem waren viele Schüler zusammengekommen, um uns zu begrüßen. Für sie war der Besuch zweier Frauen aus dem Westen etwas Ungewöhnliches. Zunächst waren sie entsprechend etwas schüchtern, tauten dann aber auf. Die Kinder sind sehr glücklich über den Wiederaufbau ihrer Schulen. Die Arbeiten an der Government High School for Boys in Shinkey sind bis auf ein paar Ausbesserungsarbeiten abgeschlossen. Für Kinder, die im Rollstuhl sitzen, sind Rampen und Toiletten errichtet worden. Hier zeigt sich also, dass Teile des integrativen Konzepts bereits umgesetzt werden konnten. In der Schule in Agra wird seit einigen Wochen gearbeitet.

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Nachdem die Außenmauern errichtet wurden, werden nun die Klassenräume renoviert. Die Folgen der Flut machen sich auch hier sehr stark bemerkbar. Es ist deutlich zu erkennen, wo das Wasser gestanden hat und man spürt die Feuchtigkeit, die noch in den Mauern steckt.

Welchen Stellenwert nimmt der Schulaufbau beim Wiederaufbau des Landes ein?

Koch: Der Schulaufbau ist eine sehr wichtige Komponente beim Wiederaufbau in Pakistan. Er bietet den Kindern eine große Chance auf Bildung und damit einen Ausweg aus Armut und Radikalismus. Fehlen staatliche Schulen, werden Kinder oft von radikalen Kräften über deren Koranschulen beeinflusst. Deshalb ist der Wiederaufbau der Schulen ein guter Beitrag für den Frieden.

Was nehmen Sie noch von dieser Reise nach Pakistan mit?

Koch: Der Besuch machte mir noch einmal deutlich, wie wichtig die verschiedenen Partner Lions, CBM und CHEF in diesem Projekt sind. Durch die Kooperation entstehen wichtige Synergieeffekte, die den Menschen in Pakistan zugute kommen und ihnen dringend notwendige Hilfe bringen.

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Fotos: CBM