Erfolgreicher Einsatz des deutschen Ärzteteams in Port-au-Prince

Innerhalb von sechs Wochen nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe in Haiti sind beim Hilfswerk der Deutschen Lions (HDL) mehr als 550.000 Euro eingegangen. Mit einem Teil dieser großzügigen Spenden haben die Lions in Zusammenarbeit mit Help e. V. zunächst die Arbeit eines Ärzteteams und die medizinische Versorgung der Notleidenden unterstützt.

Für 14 Tage erhielten die erfahrenen Help-Mitarbeiter Janina Niemietz und Gregor Werth, die die Hilfe in den ersten Wochen nach dem Beben vor Ort koordiniert haben, Unterstützung von einem Ärzte- und Krankenpflegerteam aus Deutschland. Die beiden Chirurgen Prof. Dr. Volker Echtermeyer und Dr. Arsalan Asadi sowie der Anästhesist Dr. Michel Roumer, ein gebürtiger Haitianer aus Frankfurt, hatten sich spontan als Freiwillige zum Einsatz im Katastrophengebiet gemeldet. Gemeinsam mit zwei Krankenpflegern operierten und versorgten sie jeden Tag unzählige Verletzte.

Arbeiten im Ausnahmezustand

Eingesetzt war das Team um Prof. Echtermeyer zunächst am Centre Hôpital Universitaire St. Francios de Sales in Port-au-Prince, später dann in einem Nachsorge-Camp. Das Krankenhaus wurde bei dem Erdbeben zur Hälfte zerstört, wodurch die Patienten in Reihen im Hof liegen mussten. Die schwierigen Bedingungen vor Ort stellten das Team immer wieder vor große Herausforderungen. Noch mehr als sonst war hier sicheres, ruhiges und schnelles Handeln gefragt. Alle Behandlungen, auch schwierige Eingriffe, erfolgten im Freien. „Von vereiterten Wunden über Frakturen und Wirbelsäulenverletzungen, finden wir alles mögliche vor“, erklärt Prof. Echtermeyer. Die Mediziner behandelten die Patienten strikt nach Dringlichkeit. Dabei kamen lebensgefährlich Verletzte und Kinder zuerst an die Reihe. „Die Engelsgeduld und gnadenlose Toleranz mit der die Patienten auf ihre Behandlung warten, haben mich sehr beeindruckt“, sagt Prof. Echtermeyer. Durch fehlende Hygiene und die Unterkunft im Freien entzündeten sich manchmal bereits behandelte Wunden erneut, wodurch sich Amputationen nicht immer verhindern ließen. Auch die offene Fingerfraktur von Patrick hatte sich bereits entzündet. Der 4-Jährige hätte seinen Finger verloren, wenn das Team um Prof. Echtermeyer nicht so schnell und flexibel gehandelt hätte. In Deutschland gibt es hierfür spezielle Schienen. In Port-au-Prince ist daran nicht zu denken, hier fehlt es an so vielem. Schnell funktionierten die Mediziner eine Kanüle um und verwendeten diese als Schiene, um den Bruch zu stabilisieren – Patricks Finger konnte gerettet werden. „Ich darf gar nicht laut aussprechen, wie wir uns behelfen müssen. In Haiti wird die Improvisation zur Kunst erhoben“, so der Chirurg.

Fehlende Geräte erschweren die Arbeit

Für David Schöpfer war das Arbeiten in Haiti zunächst eine große Umstellung. Der Krankenpfleger hatte hier seinen ersten Einsatz nach einem Katastrophenfall. „In Deutschland verfügen wir über so viele Geräte und Monitore, da ist alles abgesichert. Auch Ärzte stehen sofort zur Seite. In Haiti hingegen trage ich viel mehr Verantwortung. Man hat nur seine Hände, seine Augen und vielleicht ein Stethoskop. Vieles läuft über Blickkontakt und man muss aus der Erfahrung heraus schnell reagieren“, erzählt Daniel Schöpfer. Durch sein unerschrockenes Handeln konnte ein 16-jähriges Mädchen mit einer komplizierten Unterschenkel- und Fußwunde behandelt werden. Der Pfleger hatte sich schnell an den Ausnahmezustand gewöhnt. Schon bald reagierte er routiniert und ruhig auf jede neue Herausforderung.

Ärzteteam übernimmt die Leitung des Krankenhauses

Für einige Zeit haben die deutschen Ärzte die medizinische Leitung des Krankenhauses übernommen. Trotz des Chaos wurden immer Krankenblätter geführt, in denen alle Eingriffe und die Nachsorge genau festgehalten wurden. Nur so kann ein reibungsloser Übergang von einem medizinischen Nothilfeteam zum nächsten gewährleistet werden. Inzwischen ist das Team um Prof. Echtermeyer nach Deutschland zurückgekehrt. Die Mediziner ziehen eine positive Bilanz ihres Einsatzes: Sie konnten sich aktiv für die Notleidenden einbringen und vielen Menschen helfen.

Ausblick auf weitere Hilfsmaßnahmen

Um in Haiti sinnvolle Nothilfe und nachhaltigen Wiederaufbau leisten zu können, der sich wirklich an den Bedürfnissen der Betroffenen orientiert, sind sorgfältige Planung und gute Absprachen mit den Helfern vor Ort elementar. Das braucht - auch im Katastrophenfall - Zeit. Deshalb ist es wichtig, genau zu schauen, wie die Lions-Hilfe gezielt – sowohl als Nothilfe als auf lange Sicht – für und mit den Betroffenen eingebracht werden kann, um einen Neubeginn im Karibikstaat anzustoßen.Vor diesem Hintergrund wird zurzeit die weitergehende Hilfe mit unseren Kooperationspartnern LCIF, Christoffel-Blindenmission (CBM) und Help für folgende Projekte geplant:

Auch im Chaos wird alles genau dokumentiert
  • Aufgrund der nahenden Regenzeit in Haiti ist es als Soforthilfe dringend notwendig, die Zelte und provisorischen Unterkünfte der Obdachlosen wasserfest zu machen. Dafür bieten sich drei von Lions betreute Zeltlager an.
  • Da wegen schwieriger Besitzverhältnisse ein Wiederaufbau der bestehenden Privathäuser rechtlich nicht abgesichert ist, wird der Neubau einer „Lions-Stadt“ mit Wohnhäusern und Infrastruktur an der Stadtgrenze von Port-au-Prince angedacht. Ein geeignetes Gelände dafür ist über Lions-Kontakte bereits verfügbar.
  • Wiederaufbau der Lions-Augenklinik in der Hauptstadt. Die Klinik wurde vor einigen Jahren vom Distrikt NB gemeinsam mit CBM errichtet und ist bei dem Beben schwer beschädigt worden.

Die notleidenden Menschen in Haiti sind weiterhin auf unsere Hilfe angewiesen. Jede Spende hilft!

Spendenkonto:
Hilfswerk der Deutschen Lions (HDL)
Frankfurter Volksbank eG
Bankleitzahl: 501 900 00Konto-Nr.: 300 500
Stichwort: Haiti 2010

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