Fortschritte beim Bau der Shelter in Haiti

Die ersten Familien freuen sich über ihr neues Zuhause

Mehr als eine Million Menschen leben seit dem verheerenden Erdbeben Anfang dieses Jahres in Haiti noch immer unter extremen Bedingungen in provisorischen Zeltcamps und benötigen dringend feste Unterkünfte. Deshalb engagieren sich die deutschen Lions mit einem Teil der großzügigen Spenden von über 950.000 Euro beim Bau von stabilen, erdbeben- und hurrikansicheren Übergangshäusern (Sheltern), die nach UN-Standards errichtet werden. Bis zu fünf Jahre können die Shelter als Unterkunft dienen und danach durch leichte Umbauten als permanente Häuser genutzt werden. Dank der Kooperation mit der internationalen Lions-Stiftung (LCIF), die sich mit 1,4 Millionen US-Dollar an dem Shelter-Projekt beteiligen wird, können wir nun die Hilfe ausweiten und noch mehr Familien in Haiti unterstützen. Geplant ist der Bau von insgesamt 600 Häusern.

Schutzhäuser in Canapé Vert errichtet

Trotz des immensen Ausmaßes an Zerstörung und aller örtlichen und logistischen Schwierigkeiten im Karibikstaat, konnte das Bauprojekt, das unser bewährter Partner Help e. V. vor Ort umsetzt, in den letzten Wochen konkrete Fortschritte machen. In Canapé Vert, einem stark zerstörten Stadtteil der Hauptstadt Port-au-Prince, sind die ersten Häuser errichtet worden. Hier freuen sich bereits einige Familien über ihr neues Zuhause.

Im zweiten Projektgebiet in Darbonne, westlich von Port-au-Prince, wird der Shelterbau in den nächsten Wochen starten. Daneben wurde an zentraler Stelle eine Produktionsstätte initiiert. Dort werden einzelne Shelter-Elemente vorgefertigt. Im Projektgebiet müssen die Häuser dann nur noch zusammengesetzt werden. Zudem erhält die lokale Bevölkerung die Möglichkeit, sich in cash-for-work-Projekten am Hausbau zu beteiligen.

Ein neues Zuhause für Ecole Chery

Auf sein neues Zuhause aus dem Lions-Projekt freut sich auch der 58-jährige Ecole Chery. Seit 43 Jahren lebt er mit seiner Frau und seinen sieben Kindern in Canapé Vert. „Wir haben immer alle zusammengewohnt“, sagt Ecole Chery. Das Haus, indem die Familie vor dem Beben lebte, hat er selbst gebaut.

„Ich mag vielleicht nicht lesen und schreiben können, aber ich bin ein guter Handwerker und habe schon als Zimmermann, Schmied und Maurer gearbeitet. Was muss man mehr können, um ein gutes Haus zu bauen?“, fragt er.

Obwohl er ein guter Handwerker ist, konnte sein Haus dem schweren Erdbeben vom 12. Januar 2010 nicht standhalten – es fiel über seinem Kopf zusammen. Mit Oberschenkelbruch und gebrochenen Wirbeln lag er unter den Trümmern.

Zum Glück war seine Familie draußen in Sicherheit, so konnte sie ihn aus dem Schutt bergen. Gemeinsam mit anderen Verletzten wurde er in ein Camp gebracht, wo er 15 Tage ohne jegliche medizinische Hilfe ausharren musste. Dann brachte man ihn in das Krankenhaus von Canapé Vert, das aber völlig überlastet war. Da seine Verletzungen dort nicht adäquat behandelt werden konnten, wurde er schließlich in eine Spezialklinik nach Italien evakuiert. Dies war für ihn eine Reise in eine ungewisse Zukunft, aber gleichzeitig seine einzige Chance, wieder gesund zu werden.

„Drei Monate war ich weg von zu Hause. Meine Familie wusste nicht, ob ich noch lebte oder wo ich war. Ich konnte niemanden benachrichtigen“, erzählt Chery.

Zum Leben haben sie nicht viel

Zurück in Port-au-Prince, lag der 58-Jährige weitere zwei Monate im Krankenhaus. Seit seiner Entlassung ist er wieder mit seiner Familie zusammen. Jetzt leben sie in einer engen Behausung, die sie sich aus den Überresten ihres Hauses und dem, was sie sonst so fanden, zusammengebaut haben. Langsam erholt sich der Handwerker von seinen Verletzungen, arbeiten kann er jedoch immer noch nicht. Zum Leben haben sie nicht viel. Von einer Spende des Krankenhauses in Italien konnten sie sich anfangs das Nötigste kaufen, doch längst ist das Geld aufgebraucht. Sie erhielten auch Essen, Material sowie Hygiene-Artikel von verschiedenen Hilfsorganisationen, aber nun müssen sie selbst zurechtkommen. „Wir leben von dem, was uns Verwandte und Freunde geben. Mein ältester Sohn ist Elektriker“, sagt Ecole Chery mit Stolz, „er findet immer wieder Arbeit in cash-for-work-Projekten und kann uns so auch unterstützen“. Seine Frau ist ebenfalls immer wieder kurzzeitig engagiert, um Schutt zu beseitigen – eine „Trümmerfrau“ im Jahr 2010.

„Das ist mehr, als ich für meine Familie erwartet habe“

Was die Zukunft betrifft, ist Vieles ungewiss. „Alles hängt letztlich vom Geld ab“, meint der Haitianer. „Aber ich weiß, dass wir jetzt ein besseres Zuhause bekommen, ein Holzhaus von den Lions.“ Als Ecole Chery Zeichnungen des Hauses sieht, ist er begeistert. „Danke, ich danke all denen, die das ermöglichen. Das ist mehr, als ich für meine Familie erwartet habe, viel mehr“, sagt er. Der Handwerker hat sogleich einige Ideen, wie er das Haus weiterentwickeln kann. Alles wird aus stabilem Holz sein – mit Steinen und schwerem Beton will Ecole Chery nichts mehr zu tun haben.

Mit Ihrer Spende können wir noch mehr Menschen wie Ecole Chery und seiner Familie ein neues Zuhause und einen Neuanfang schenken!

Spendenkonto:
Hilfswerk der Deutschen Lions e. V.
Frankfurter Volksbank eG
BLZ: 501 900 00
Konto: 300 500
Stichwort: Haiti-Shelter

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