„Ich werde das schaffen“

Im Lions-Bauprojekt in Haiti hat Hudler Oumar eine Arbeit und ein neues Zuhause gefunden

„Ich hatte das Gefühl, dass alles zu Ende ist. Ich habe nie realisiert, dass es unsere Mutter war, die die Familie nach dem plötzlichen Tod unseres Vaters 2009 zusammengehalten hat. Das Erdbeben hat in vielerlei Hinsicht eine Lücke in mein Leben gerissen. Nicht nur, dass unser Haus in Trümmern lag – viel schlimmer ist, dass mir meine Schwester und zwei Nichten genommen wurden und mit dem Verlust meiner Mutter gleichzeitig auch der Halt. Auf einmal waren da nur noch Leere und Hoffnungslosigkeit.“

So beschreibt Hudler Charlite Oumar seine Gefühle direkt nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010.

Oumar ist 33 Jahre alt. Heute lebt er mit seiner Freundin und der gemeinsamen achtjährigen Tochter zusammen. Aufgewachsen ist er selbst in einer kleinen Familie.

„Wir waren keine typische haitianische Großfamilie. Es gab nur meine Eltern, meine Schwester und mich.“ Dass die Familie so klein war, bot für Oumar Chancen. Dadurch reichte das Geld für den Besuch einer guten Schule und für die Universität. Intensiv hat er die Fächer Informatik, Buchhaltung und Kommunikation studiert. Eine Arbeit hat er trotzdem nicht gefunden, also studierte er weiter, diesmal Ethnologie und Soziologie. Nebenbei bekam Oumar die Möglichkeit, an Schulen zu unterrichten.

„Leider kann ich mein zweites Studium nicht mehr abschließen – meine Universität gibt es nicht mehr. Aber ich habe nun ja auch keine Wahl, ich muss arbeiten gehen und mein Kind versorgen.“

Chance für einen Neuanfang

Nach langer Suche hat Oumar endlich eine Stelle gefunden. Seit mehreren Monaten arbeitet er engagiert und begeistert im Lions-Bauprojekt, bei dem in Zusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation Help e.V. und unterstützt durch die internationale Lions-Stiftung LCIF, insgesamt 1000 Häuser entstehen. „Ich bin dankbar, dass ich diese Chance von den Lions und Help bekommen habe“, sagt Oumar. Als er die Stelle antrat, wusste er nicht, was ein Lagerist zu tun hat. „Ich habe mir das sehr einfach vorgestellt – ein bisschen Holz zählen, ist ja nicht so schwierig. Heute weiß ich, welche Verantwortung ich trage.“ Als Oumar das erste Mal ins Projekt kam, um seine Initiativbewerbung abzugeben, gab es keine Arbeit für ihn. Später, als sie einen Lageristen suchten, hat sich Projektleiter Gregor Werth von Help an seine Bewerbung erinnert. „Wir suchten jemanden, der einen Computer bedienen und rechnen und schreiben kann, jemanden, dem wir vertrauen können.“

Im Projekt hat Hudler Oumar eine Ausbildung erhalten. Arbeitskräfte wie er werden mittlerweile gesucht. „Seit mehr als fünf Monaten arbeitet Oumar nun für uns und wir wissen gut, was wir an ihm haben. Von Anfang an war er sehr motiviert zu lernen und zu verstehen. Vor allem wollte er diese Arbeit unbedingt behalten. Alles, was wir ihm gezeigt haben, hat er schnell umgesetzt“, erklärt Werth. Zügig hat Oumar verstanden, dass Lagerist zu sein, mehr bedeutet, als Holz zu zählen. Er muss immer den Überblick behalten. Für das gesamte Material ist er verantwortlich und entscheidet mit über die Qualität. Jeden Tag schreibt er einen Bericht über die Bestände. Daneben bereitet er die Maschinen für den nächsten Morgen vor. „Was mich besonders stolz macht, ist das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird“, berichtet Oumar. An die Zeit, bevor er im Bauprojekt arbeitete, denkt er nicht gerne zurück. Es war eine Zeit, in der er oft nicht wusste, wie er die nächste Woche oder auch nur den nächsten Tag überstehen sollte. Und dann kam der Anruf vom Projektleiter. Von da an ist vieles anders geworden. „Das war wie eine Erlösung für mich. Mittlerweile habe ich sogar ein Haus bekommen. Das ist viel besser als im Zelt zu wohnen.“

Voller Zuversicht und Motivation

Bei der Frage, was er sich für 2011 wünsche, stockt er und sein Lachen verschwindet für einen Moment.

„Meine Tochter ist schon lange krank. Sie muss dringend operiert werden. Dafür brauche ich Geld, die Operation kostet viel. Ich wünsche mir, dass ich meine Tochter dieses Jahr operieren lassen kann. Mehr Wünsche habe ich nicht, alles andere ist doch gut.“

Trotz seiner schwierigen Lage weicht sein sorgenvoller Blick sogleich wieder einem Lächeln und er sagt schnell:
„Jetzt bekomme ich ja einen Lohn, also werde ich das auch schaffen“.

Für seine positive Einstellung wird er im Projekt geschätzt.
„Er motiviert die anderen. Es macht einfach Spaß, ihm beim Arbeiten zuzusehen. Hudler Oumar ist zu einem wichtigen Mitarbeiter geworden“,
meint Gregor Werth. Ihn einzustellen war eine gute Entscheidung – das sehen beide Seiten so.
„Ich muss jetzt weitermachen“, beendet der Haitianer das Gespräch plötzlich. Ein Mann wie Oumar weiß eben auch, wann es wieder Zeit für die Arbeit ist. Zeit, das Bauprojekt weiter voranzubringen.

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Stichwort: Haiti Hausbau

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